Milchkammerhunde
Mitte Juli 2007 kam ein Hilferuf ans Tierheim, dass bei einer Kontrolle durch das Veterinäramt in einer Hundehaltung bei Obing völlig verwahrloste Hunde vorgefunden wurden - das waren wir, die sogenannten Milchkammerhunde. Unsere Behausung bestand aus ca. 6 Quadratmetern ohne Fenster. Wir waren alle sehr stark verfilzt und mit golfballgrossen Kotklumpen übersät. Am Tag darauf kam der Tierheimleiter Jörg Oppermann und seine Frau, befreite uns aus unser mißlichen Lage und brachte uns ins Tierheim, wo wir dann zuerst gleich vom Tierarzt angeschaut und erstversorgt wurden. Dann wurden wir alle der Reihe nach von unserem schlimmen Fell befreit und ordentlich gebadet - was für eine Wohltat! Jetzt konnte der Tierarzt uns auch richtig behandeln und dank der liebevollen Pflege im Tierheim erholten wir uns nach und nach und wurden fröhliche Hunde. Wir durften endlich draussen rumtoben, hatten viel Platz und eine saubere Unterkunft zum schlafen. Schön langsam mussten wir uns auch an eine Hundeleine gewöhnen, damit wir mit den Gassigehern mitgehen durften - das ist aber nicht so einfach, wie ihr euch das vielleicht vorstellt, da müssen wir nämlich immer dahin gehen wo die Gassigeher wollen. Manchmal versuchen wir auch, aus der Leine rauszuschlüpfen, um unsere eigenen Wege laufen zu können - ist aber ganz schön schwierig. Eine von uns bekam im Tierheim 4 Junge, drei Mädchen und einen Buben, die sind in der Zwischenzeit schon ganz schön gewachsen und haben sich zu ganz lustigen und freundlichen Hunden entwickelt. Einige von uns haben schon einen neuen Platz gefunden und auch wir hoffen, dass wir eine neue Familie finden. Im Tierheim geht es uns zwar sehr gut und wir sind auch gerne hier, aber eine eigene Familie ist halt doch noch schöner. In der Presse haben wir ganz schönen Wirbel gemacht und sehr viele Leute spendeten dem Tierheim Geld, um das Loch in der Kasse wieder zu stopfen, das wir gerissen haben. Dafür sind wir und die Leute vom Tierheim wirklich sehr dankbar. Sogar die Prominenz haben wir auf uns aufmerksam gemacht, Fritz Fischer, sehr erfolgreicher Biathlet und jetzt Trainer der Biathleten, war so von unseren vier Jungen angetan, dass er spontan die Patenschaft dafür übernahm.
Jetzt stellen wir Ihnen, liebe Leser, noch ein paar Bilder vor, damit Sie sehen können, wie wir ausgesehen haben und wie es uns jetzt geht.
Wenn Sie die Bilder größer sehen wollen, genügt ein einfacher Klick auf das Bild
- links: wir sind schon im Tierheimauto und warten auf die Abfahrt
- rechts: endlich Platz zum Laufen, frische Luft, Licht und Sonne
- links: 14 Tage später, wir sind geschoren, gebadet und medizinisch versorgt
- rechts: 31.07.2007 - vier Neuankömmlinge mit der Hundemama
das Toben auf dem Tierheimgelände macht richtig Spaß
der Nachwuchs ist gerade ein paar Tage alt
links: wir sind schon fast 6 Wochen alt und haben uns prächtig entwickelt
rechts: auch unsere Onkel und Tanten haben sich in der Zwischenzeit prima gemacht
wir vier haben soviel Charme versprüht, dass Fritz Fischer und Johanna Huber sich total in uns verliebten und die Patenschaft für uns übernommen haben
hier sind Fritz Fischer und Johanna Huber, unsere Paten
Fürs erste sagen wir jetzt mal servus und wenn wir wieder was zu erzählen haben, melden wir uns wieder.
So jetzt ist das Jahr 2007 fast vorbei und wir müssen wieder mal etwas von uns hören lassen. Die vier Kleinen haben alle einen Platz bekommen und noch einige andere von uns haben neue Familien gefunden. Wir anderen müssen immer noch lernen, richtig an der Leine zu gehen und was für uns ganz schlimm ist, wir müssen lernen, hie und da mal alleine zu bleiben - dabei haben wir immer noch Angst, dass Herrchen oder Frauchen womöglich nicht wiederkommt und wir wieder alleine einem ungewissen Schicksal ausgesetzt sind. Die vier jungen Rabauken haben ja dieses Gefühl des Alleineseins und nicht behätschelt und geliebt zu werden nie erfahren - Gott-sei-Dank - aber wir “Alten” müssen uns erst daran erst gewöhnen, dass die Normalität eine ganz andere ist, als die, die wir erfahren haben. Im Tierheim geht es uns sehr gut, wir dürfen jeden Tag raus und rumtoben, wer von uns die Leine schon akzeptiert darf auch schon spazieren gehen, wir bekommen regelmäßig supergutes Futter und wenn uns mal was zwickt, ist der Tierarzt gleich zur Stelle. Mit den anderen Hunden haben wir gut Freundschaft geschlossen und Besucher des Tierheims werden von uns mit lautem und freudigem Bellen begrüßt. Wir sind alle ganz lebenslustige Hunde geworden und dafür danken wir allen, die dazu beigetragen haben.
